Das Halbfinale bei der FIFA-Fußball-WM ist angesagt. Deutschland gegen Brasilien - oder umgekehrt. Und natürlich werde ich als Deutscher gehänselt. Wenigstens von einigen. Brasilien wird haushoch gewinnen, sagen die vermeintlichen Fußballkennern und die unverbesserlichen Fans. Und mein Freund Marcelo? Der interessiert sich nicht für Fußball. Aber er interessiert sich für Politik. Und da ist er immer noch felsenfest davon überzeugt, dass nur ein Sieg der deutschen Mannschaft Brasilien wirklich weiter hilft. Er steht mit dieser Meinung auch nicht ganz alleine da. Selbst die Fans, wenn sie mal ihr fußballverrücktes Herz ausschalten und ihr politisches Hirn einschalten, befürchten dass ein Sieg der brasilianischen Fußballmannschaft der nicht sehr geliebten Präsidentin in die Karten spielt.
Dabei sind Bilder wie die vom Brückeneinsturz im Halbfinalspielort Belo Horizonte in der Presse allgegenwärtig. Natürlich ist es nicht Schuld von Frau Roussef, dass die Brücke eingestürzt ist. Es steht ja bisher nicht einmal fest, weshalb sie eingestürzt ist. Aber die Theorien sind doch recht bald aufgezählt: Pfusch am Bau, der übliche Diebstahl von Baumaterial, falsche Statikberechnungen. Und die wahre Schuld liegt bei den Politikern, basta. Bei welchen? Na eben bei denen, die mit der Konstruktion von Brücken etwas zu tun haben. Was wiederum auf fast jeden aktiven Politiker zutrifft. Projektplanung- und genehmigung, Finanzierung, Subventionierung sind alles politische Fragen.
Zum Glück ist diese Weltmeisterschaft bald vorbei. Sie stört doch sehr im Alltag. Ständig ist Feiertag, weil die Seleção spielt. Banken, Geschäfte, Behörden, alles dicht am Spieltag. Und am darauffolgenden Tag muss erst mal das Ergebnis diskutiert werden, und die Aufstellung, und ob die Spieler auch gut geschlafen haben, und welche Strafe denn nun der Spieler verdient hat, der einen brasilianischen Spieler gefoult hat. Das dauert dann bis zum Mittagessen. Und dann ist ja auch bald wieder Feierabend und das nächste Spiel steht schon vor der Tür.
Ab heute ist übrigens auch die offizielle Vorwahlperiode eröffnet. Das bedeutet, dass die Bundesregierung und die Landesregierungen keine Gelder mehr freigeben dürfen. Das könnte ja als Wählerbestechung angesehen werden. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Gelder schon lange zur Verfügung standen und nur noch die Unterschrift fehlte oder ob sie erst kürzlich beantragt wurden. Es spielt auch keine Rolle, ob die Gelder für Notfälle eingesetzt werden oder für überfällige Projekte. Rien ne vas plus. Aber es geht ja sowieso nichts voran. Also kommt es jetzt darauf auch nicht mehr an. Es wird schon ein jeitinho geben. Se Deus quiser.
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